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Tour-Check

Tour-Check Karte mit farbiger Routenbewertung

Wie funktioniert der Tour-Check?

Der Tour-Check bewertet jeden Punkt deiner Route anhand von drei Faktoren:

  • Hangneigung — wie steil ist das Gelände in der Umgebung?
  • Lawinenwarnstufe — wie hoch ist die aktuelle Gefahrenstufe für diesen Ort?
  • Lawinengelände (ATES) — wie exponiert ist das Gelände gegenüber Lawinen?

Daraus ergibt sich eine Farbe pro Routenabschnitt:

FarbeBedeutung
GrünGeringes Risiko bei aktueller Lawinenlage
OrangeErhöhtes Risiko — besondere Aufmerksamkeit erforderlich
RotHohes Risiko — Routenwahl kritisch hinterfragen
Tour-Check Höhenprofil mit Risikobewertung

Zwei Modelle, zwei Fragen

Der Tour-Check kombiniert zwei unabhängige Bewertungen:

SLABS — Wie wahrscheinlich ist eine Auslösung?

Das SLABS-Modell berechnet die Auslösewahrscheinlichkeit aus der Hangneigung im 40-m-Radius (MSA40) und der aktuellen Gefahrenstufe. Je steiler das Gelände und je höher die Gefahrenstufe, desto höher das Risiko.

ATES — Wie schwer sind die Konsequenzen?

Die ATES-Klassifikation ergänzt, was passiert, wenn es eine Lawine gibt: Wie weit läuft sie? Gibt es Geländefallen? Ein steiler Waldweg ohne Lawinengelände darüber bleibt grün. Ein flacher Auslauf unter einer steilen Rinne wird bei hoher Gefahrenstufe hochgestuft — die Auslösewahrscheinlichkeit ist gering, aber die Konsequenzen sind hoch.

Was der Tour-Check außerdem berücksichtigt

  • Höhe und Exposition: Die Gefahrenstufe wird für den konkreten Standort ausgewertet — Nordhang auf 2500 m ist anders als Südhang auf 1800 m.
  • Waldbedeckung: Dichter Wald bremst Lawinen physikalisch ab (modelliert über Flow-Py, berücksichtigt in der ATES-Karte).
  • Straßen und Forstwege: Ausgebaute Wege erhalten nie Orange oder Rot.
  • Niedrige Lagen: Unterhalb von 1500 m wird das Risiko gedämpft.
  • Schlüsselstellen: Die drei Punkte mit dem höchsten Risiko-Score werden markiert, um kritische Passagen gezielt zu identifizieren.

Plausibilitätsprüfung

Das Vollmodell (SLABS + ATES) wurde gegen dokumentierte Lawinenunfälle abgeglichen, für die auch die Gefahrenstufe am Unfalltag bekannt ist. Dieser Abgleich prüft, ob das Modell bekannte Unfallpunkte erkennt — er ersetzt keine vollständige wissenschaftliche Validierung (dafür fehlt die Fehlalarm-Analyse). Die Erkennungsrate hängt von der Gefahrenstufe ab:

GefahrenstufeCHAT
2 — mäßig88%73%
3 — erheblich97%90%
≥ 4 — groß100%88%
Gesamt (DL ≥ 2)93%84%

Basis: CH 1.553 Unfälle (2004–2026), AT 1.967 Unfälle (2000–2026) — nur Unfälle mit bekannter Gefahrenstufe ≥ 2.

Bei Gefahrenstufe 1 (gering) zeigt das Modell bewusst Grün — eine Warnung bei günstigen Verhältnissen würde den Nutzen der Bewertung verringern. 82% aller Tourentage fallen auf DL 2–3, wo die Erkennungsrate am höchsten ist.

Einschränkungen

  • Der Tour-Check basiert auf dem aktuellen Lawinenbulletin, nicht auf lokalen Beobachtungen
  • Aufstieg und Abfahrt werden gleich bewertet
  • Temporäre Gefahren (Wächten, Nassschnee, Triebschnee-Verfrachtung) sind nicht berücksichtigt
  • Die Validierung misst nur die Erkennung realer Unfälle (Sensitivität), nicht die Fehlalarm-Rate
  • Der Tour-Check ersetzt keine eigenständige Beurteilung vor Ort

Abdeckung

Verfügbar für die Schweiz, Österreich, Bayern, die französischen Alpen, Südtirol und das Trentino. Aostatal und Slowenien haben die ATES-Klassifikation, aber bislang kein maschinenlesbares Lawinenbulletin im CAAML-Format. Weitere italienische Regionen (Veneto, Friaul, Lombardei, Piemont) sind in Vorbereitung.

Technische Dokumentation

Die vollständige Dokumentation mit allen Modellparametern, Schwellenwerten und Quellenangaben:

📄 Lawinenrisiko-Bewertung für Skitouren (PDF)

Quellen

  • Degraeuwe, B. et al. (2024). SLABS — Skiing and Avalanche Base Score. Cold Regions Science and Technology.
  • Toft, H. B. et al. (2024). AutoATES v2.0. Natural Hazards and Earth System Sciences.
  • Techel, F. et al. (2015). Analysis of avalanche risk factors in backcountry terrain. NHESS.
  • SLF/EnviDat. Lawinenunfälle Schweiz seit 1970. CC BY 4.0.